Wenn das Ich ein fremdes Zuhause bewohnt – über Aufenthalte im Grenzland

Philosophischer Salon - Katharina Gladisch und Victor Sudmann  

Kalenderzimmer Kloster Lamspringe
Kloster 3
31195 Lamspringe

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Event organiser: Lamspringer September-Gesellschaft e.V., Hebergatze 9, 31195 Lamspringe, Deutschland

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Ermäßigungsberechtigt sind Schüler, Studenten und Schwerbehinderte gegen Vorlage eines entsprechenden Nachweises. Ebenso erhalten Mitglieder des ADAC den rabattierten Preis, sofern angeboten.

Für den Verkauf von Karten an der Abendkasse, fällt eine Bearbeitungsgebühr von 4€ je Karte an.

Der Nachweis ist am Einlass unaufgefordert vorzuzeigen. Rollstuhlfahrer wenden sich bitte direkt an den Veranstalter unter der Rufnummer: 05181 / 91060.
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Ein phänomenologisch-theologischer Vortrag in performativer Szenerie

Wie ist es eigentlich gekommen, dass ich mir selbst fremd geworden bin? Das fragt sich Fabian, ein 18-jähriger Borderline-Erkrankter und verstrickt sich mächtig in den scheinbar heillosen Fäden seines jungen und doch schon so verwobenen Lebens.

Und wie ist es eigentlich gekommen, dass wir so souverän geworden sind, uns das Fremde einzuverleiben, so als wenn wir – mit den besten Kniffen der Selbstoptimierung und Selbstheilung – keine Grenzen mehr hätten, keinen Schrecken mehr, alles nur eine Frage des geübten Umgangs wäre. Das fragt sich die Referentin und sucht Antworten mit Bernhard Waldenfels‘ Phänomenologie des Fremden und seinen Überlegungen zu Grenzerfahrungen.

Was wäre eigentlich, wenn das fremde Herz meins würde und das die Antwort, nach der wir immer gesucht haben? Sollte das unsere Frage sein, zusammen mit Jean-Luc Nancy, dessen Herz transplantiert wurde. Sollten wir versuchen seine Erfahrungen uns zu transplantieren und damit Fabian, dem Borderliner, näher zu kommen?

Warum haben wir eigentlich alle so unruhige Herzen, die ein Zuhause suchen und es doch nicht finden? Und was wäre, wenn wir uns unser Miteinander vorstellten als ein Aufenthalt in einem Grenzgebiet der unruhigen Herzen? Wenn uns der Stachel des Fremden sticht, was dann?

Hungrig nach Lösungen kommt Erlösung nicht aus uns selbst, sondern mittels Beziehungsarbeit bei Gelegenheit von woanders. Und bei dieser Gelegenheit im philosophischen Salon wollen wir diesen Satz von Bernd Beuscher unterfüttern, mit Gedanken und Szenen zur Borderline.
Denn wir alle gehen ein Stück unseres Lebens auf der Borderline.

Vita:

Katharina Gladisch, Jg. 1984 und Victor Sudmann, Jg. 1996, wurden beide nicht weit voneinander entfernt in Mecklenburg geboren, allerdings einige Jahre auseinander. Während Katharina schon die Schulbank drückte, druckste Victor noch mit seinen ersten Worten herum.

Katharina studierte Theologie und trat danach eine Stelle an der Universität Rostock im Bereich Systematische Theologie und Religionswissenschaft an. Victor studierte Medizin und ist jetzt im Praktischen Jahr seiner Ausbildung zum Arzt. Daneben aber, und hier beginnt der interessante Teil der bald gemeinsamen Vita, zog es ihn in die theologische Fakultät.

Es entwickelten sich energische Gespräche über die Ethik des Anderen, Victor schaute mit großen Augen Katharinas Inszenierung von Sartres „Geschlossener Gesellschaft“ an und spielte bald zusammen mit Katharina und ein paar Kommiliton*innen Theater. Als Theodorant, eine theologische Kabarettgruppe, folgten Auftritte bei Gemeindefeiern und ähnlichen Anlässen sowie ein riesiges Theaterprojekt mit
über 30 Studierenden zum Reformationsjubiläum.

Es drängte sich auch immer mehr die Medizin in die Theologie. Katharina kommt aus einer Mediziner*innenfamilie, Victor studierte zeitweise beides, es musste ja so kommen.

Bei langen Nächten der Wissenschaft in Rostock spielten sie ein Stück zum Thema Chimärenforschung und was eigentlich der Mensch-Gott mit Mäuse-Ratten zu tun hat, ein Jahr später einen szenisch illustrierten Vortrag zur Borderline-Persönlichkeits-Organisation.

Zum letzteren Thema schrieben die beiden ein abendfüllendes Theaterstück, das bei der Tagung der deutschen evangelischen Ethiker*innen in Loccum Premiere feierte. Es bildete hier so eine Art ästhetischen Kommentar zur Frage nach Normalität in der spätmodernen Gesellschaft.

Seitdem sind Katharina und Victor dabei, ein Buch über Seelsorge anhand des Stückes zu schreiben weitere Texte zu entwerfen, sich um Auftritte zu kümmern, Workshops zu gestalten. Das verbindende Element ist dabei immer: die akademischen Inhalte so mit theatralen Mitteln zu untermauern, dass Gesagtes sich leiblich im Raum vollzieht. Theakademik könnte man das nennen: Das ist Theologie und Theater und Akademik, das ist Theologie und Theater und Medizin, das sind Katharina Gladisch aus Rostock und Victor Sudmann aus Hamburg, das ist das Theoskop.

Location

Alter Abtsaal
Kloster 3
31195 Lamspringe
Germany
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Der Alte Abtsaal ist ein Teil des ehemaligen Klosters Lamspringe und wird heute regelmäßig für Veranstaltungen genutzt. Etwa 250 Besucher fasst der damalige Prunksaal des Abtes für seine Gäste. Mit barocker Leichtigkeit verzieren Wandpfeiler und zwei Kaminvorlagen, die mit reichen Stuckarbeiten geschmückt sind, den festlichen Raum. Zu bestaunen gibt es über den beiden Kaminen je ein Ölgemälde, die den Kaiser Karl VI. sowie Papst Clemens XII. abbilden.

Das Kloster selbst wurde 872 erstmalig in einer Urkunde erwähnt, die mittelalterliche Vorgängerkirche musste Ende des 17. Jahrhunderts einem neugotischen Bau weichen. Bis zu 180 Nonnen waren in der Anlage untergebracht, die nach den Regeln des heiligen Benedikt lebten. Umringt wird das Kloster von dem Klostergarten mit der sagenumwobenen Lammequelle. Jährlich findet in dem Benediktinerkloster der „Lamspringer September“ statt, wo internationale Künstler ihr Können präsentieren.

Das Kloster Lampspringe besitzt eines der wertvollsten künstlerischen Ausstattungen des Barock in Niedersachsen. Mit seiner besonderen Atmosphäre ist der Alte Abtsaal im Kloster eine beliebte Spielstätte für Konzerte und vieles mehr. Statten auch Sie dieser historischen Einrichtung einen Besuch ab und lassen Sie sich verzaubern!